Whitepaper · Stand August 2026

EU AI Act umsetzen — vom Inventar zum Nachweis

Fünf Schritte, die in jeder Organisation funktionieren — mit Fristen, Checklisten und einem 30-60-90-Tage-Plan. Ausgelegt auf Unternehmen ohne eigene Rechtsabteilung.

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Warum jetzt

Der EU AI Act ist am 1. August 2024 in Kraft getreten, gilt aber gestaffelt. Seit dem 2. August 2026 greift der Hauptteil: die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III und die Transparenzpflichten nach Artikel 50. Wer bis hierher gewartet hat, ist nicht zu spät dran — aber die Zeit der Beobachtung ist vorbei.

DatumWas gilt
01.08.2024Verordnung tritt in Kraft
02.02.2025Verbotene Praktiken (Art. 5) und die Pflicht zu ausreichender KI-Kompetenz (Art. 4)
02.08.2025Pflichten für Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck (GPAI), Aufsichtsstrukturen, Sanktionen
02.08.2026Allgemeine Geltung — Hochrisiko nach Anhang III, Transparenzpflichten nach Art. 50
02.08.2027Hochrisiko-Systeme in regulierten Produkten (Anhang I), Übergangsfrist für ältere GPAI-Modelle

Was auf dem Spiel steht. Artikel 99 sieht bei verbotenen Praktiken bis zu 35 Mio. € oder 7 % des weltweiten Jahresumsatzes vor, bei Verstößen gegen sonstige Pflichten bis zu 15 Mio. € oder 3 %, bei falschen Angaben gegenüber Behörden bis zu 7,5 Mio. € oder 1 % — je nachdem, welcher Betrag höher ist. Für kleine und mittlere Unternehmen gilt jeweils der niedrigere der beiden Werte.

Schritt 1 — Klärt eure Rolle

Fast alles Weitere hängt an dieser einen Frage, und sie wird überraschend oft falsch beantwortet. Die Verordnung kennt vier Rollen, und eine Organisation kann mehrere gleichzeitig einnehmen.

Die häufigste Falle. Wer ein zugekauftes Hochrisiko-System unter eigenem Namen anbietet, es wesentlich verändert oder seinen Zweck ändert, wird dadurch selbst zum Anbieter — mit deutlich schwereren Pflichten. Ein feinjustiertes Sprachmodell im eigenen Produkt kann genau das auslösen.

Schritt 2 — Baut ein KI-Inventar mit Risikoklassen

Ihr könnt nichts nachweisen, was ihr nicht kennt. Das Inventar ist die Grundlage für alles Weitere und meist die Arbeit, die am meisten Überraschungen zutage fördert — vor allem in Fachabteilungen, die sich Werkzeuge selbst besorgt haben.

Was hinein gehört

Die vier Klassen

Aus der Praxis. Ein Tabellenblatt reicht für den Anfang völlig. Wichtiger als das Werkzeug ist, dass die Liste einen Verantwortlichen hat und in einem festen Rhythmus überprüft wird — sonst ist sie in einem Quartal wertlos.

Schritt 3 — AI Literacy ist Pflicht, nicht Kür

Artikel 4 verlangt seit dem 2. Februar 2025 von Anbietern und Betreibern, dass ihr Personal über ausreichende KI-Kompetenz verfügt — gemessen an Vorkenntnissen, Aufgabe und dem Kontext des Einsatzes. Das ist die Pflicht mit dem besten Verhältnis von Aufwand zu Wirkung: Sie ist in Wochen erfüllbar und senkt gleichzeitig das Risiko in allen anderen Bereichen.

Was ein tragfähiges Programm ausmacht

Schritt 4 — Transparenz nach Artikel 50

Diese Pflichten treffen fast jeden, der KI im Kundenkontakt einsetzt, und sie sind vergleichsweise einfach zu erfüllen. Übersehen werden sie trotzdem regelmäßig.

Der pragmatische Weg. Legt eine Kennzeichnungsregel fest, die für alle Kanäle gilt, statt jeden Einzelfall zu diskutieren. Eine Seite Regel, an der sich Marketing, Produkt und Support gleichermaßen orientieren, ist mehr wert als zehn Seiten Ausnahmen.

Schritt 5 — Governance und Nachweise

Der Unterschied zwischen „wir halten uns daran“ und „wir können es zeigen“ entscheidet im Ernstfall. Governance heißt hier nicht Gremium, sondern: Es gibt eine benannte Person, einen festen Rhythmus und eine Ablage, die jemand anders versteht.

Der 30-60-90-Tage-Plan

Tag 1–30 · Sehen

Rolle klären. Inventar aufsetzen und in zwei Runden durch die Fachbereiche schicken. Verbotene Praktiken sofort prüfen und abstellen. Verantwortliche Person benennen.

Tag 31–60 · Einordnen

Risikoklassen vergeben und begründen. Transparenz-Kennzeichnung als Regel festlegen und ausrollen. AI-Literacy-Programm nach Rollen starten.

Tag 61–90 · Nachweisen

Dokumentation für Hochrisiko-Systeme aufbauen. Meldeweg und menschliche Aufsicht festschreiben. Lieferantenzusagen einsammeln. Überprüfungsrhythmus setzen.

Fünf verbreitete Irrtümer

Rechtlicher Hinweis. Dieses Whitepaper gibt den Stand von August 2026 wieder und dient der Orientierung. Es ersetzt keine Rechtsberatung und keine Prüfung des Einzelfalls. Für verbindliche Aussagen zu eurer Situation zieht bitte rechtlichen Beistand hinzu — gern gemeinsam mit uns.

Wie wir unterstützen

Wir sind keine Kanzlei. Wir sind die, die mit euch das Inventar aufbauen, die Schulung halten und dafür sorgen, dass die Governance den ersten Monat überlebt. Am häufigsten gefragt:

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